Android Tablets und das Apple iPad

Honeycomb Seit gut einem halben Jahr habe ich jetzt mein Acer Iconia A500 Tablet mit Android Honeycomb 3.2 und ich bin absolut zufrieden mit dem Gerät. Ich hätte zwar nichts dagegen wenn es etwas leichter wäre, aber weder an dem Bildschirm, den Akkulaufzeiten oder der Performance habe ich etwas auszusetzen. Auch meine Kollegen, die dasselbe Gerät haben, sind damit zufrieden. Mittlerweile kann ich auch nicht mehr nachvollziehen wieso noch immer in diversen Vergleichstests (Android Tablets vs. iPad) die geringe Anzahl Tablet-spezifischer Apps als Negativpunkt herangezogen wird. Geht man nach der reinen Anzahl, so mag das ja stimmen, aber mir fehlt eigentlich nichts.Von den wichtigsten Anwendungen gibt es mittlerweile qualitativ sehr gute Versionen, die die Möglichkeiten des Tablets auch wirklich voll ausnutzen oder zumindest korrekt funktionieren. Nur ein paar Beispiele:

Mit Ausnahme von Kaiten sind diese Apps sogar kostenlos. Ich werde demnächst auch noch über die verschiedenen Apps, die ich verwende, etwas schreiben.

Apps, die nur eine andere Oberfläche für Webseiten sind, oder die Inhalte eines RSS ggf. optisch aufbereitet anzeigen, benötige ich nicht. Da kann ich auch gleich direkt auf die Website gehen (mein Android Tablet kann ja auch Flash …) oder den RSS-Feed abonnieren.

Aber wie kommt es, dass die Android Tablets gegenüber dem iPad noch immer nur wenig Boden gut machen können? Zunächst einmal hatte das iPad einfach einen Zeitvorteil. Es war einfach das erste ernstzunehmende Tablet auf dem Markt. Dazu kam, dass die ersten Android Tablets Schnellschüsse waren mit einer Betriebssystem-Version, die für Tablets nicht gedacht war und ohne an die Grösse angepasste Apps. Als dann die ersten Honeycomb Tablets kamen, waren diese zunächst schlichtweg einfach zu teuer.

Ein anderer Punkt ist natürlich auch das Apple-Marketing. Die Apple-Produkte waren schon immer etwas Besonderes. Egal ob es um die PCs, Notebooks, den iPod oder das iPhone geht. Die Geräte zeichnen sich durch ein gutes Design und eine möglichst einfache Bedienung aus. Spätestens seit dem iPod sind es Lifestyle-Produkte und für manche sicherlich auch Statussymbole. Ich denke man kann sie recht gut mit den Bang & Olufsen-Produkten aus dem Hifi-Bereich vergleichen. Auch bei diesen Geräten stehen Design, einfache Bedienung und natürlich auch ein guter Klang im Mittelpunkt, aber sie verkaufen sich nicht über ihre technische Daten (Wattzahlen, Klirrfaktoren, etc.), mit denen die wenigsten Menschen etwas anfangen können.

Apple macht es im Prinzip genauso. Sie verkaufen ihre Produkte über die Anwendungsmöglichkeiten. Denn Otto Normalverbraucher ist es in der Regel egal was für eine Hardware in dem Gerät steckt. Er (oder sie) möchte möglichst einfach im Internet surfen, E-Mails schreiben, Bücher lesen, Musik hören usw. Bei den Android-Tablets (aber auch bei den Smartphones) stehen dagegen oft die technischen Daten im Mittelpunkt (Performance, Anschlussmöglichkeiten, usw.). Das ist auch durchaus verständlich in einem Markt, in dem es zig Hersteller gibt, die alle auf dieselbe Software (Betriebssystem und Anwendungen) setzen. Sie können sich im Prinzip nur über die Hardware unterscheiden. So sind diese Geräte logischerweise vor allem für die Geeks und Hacker (und dazu zähle ich mich auch) interessant.

Es wird interessant zu sehen sein, ob sich das mit dem Amazon Fire evtl. ändern wird. Das Gerät basiert auch auf Android, hat aber eine ganz spezielle Oberfläche und Amazon wird es voraussichtlich extrem günstig anbieten und mit grosser Sicherheit die Inhalte (sprich Musik, Bücher, Videos) in den Mittelpunkt stellen. Denn anders als bei den anderen Android-Tablet-Herstellern ist für Amazon die Hardware nur Mittel zum Zwecke. Sie machen den Gewinn mit dem Verkauf der Inhalte.

Ganz generell glaube ich schon, dass Android gegenüber dem iPad aufholen wird, ob sie aber – wie bei den Smartphones – Apple überholen können, wage ich zu bezweifeln. Spannend wird auch sicherlich wie sich dann ab dem nächsten Jahr die Tablets mit Microsoft Windows 8 verkaufen werden und wem sie am ehesten Marktanteile abnehmen. Die kommende Android-Version Ice Cream Sandwich wird vermutlich nicht so viel ändern, da die meisten Neuerungen eher für die Smartphones relevant sind. Allerdings könnte die Freigabe des Source Codes vielleicht zu ein paar interessanten Alternativ-ROMs führen.

Am wichtigsten im Moment ist aber, dass endlich mal die ganzen Patentstreitigkeiten ein Ende finden und sich die Hersteller wieder auf Innovationen konzentrieren anstatt sich zu bekriegen. Gerade der Kleinkrieg zwischen Samsung und Apple mit ihrem “verklagst du mich hier, verklag ich dich dort” hat doch etwas von Kindergarten.

Update 25.10.: Laut eines Artikels von cnet.com holen die Android-Tablets bei den Verkaufszahlen stark auf und werden in nächster Zeit noch stärker Boden gegenüber den iOS-Geräten gut machen.

  • Pingback: zoom » Umleitung: Von “Legalize it?” über Verschwörungstheorien bis zur Briloner Feuerwehr und die Positionsflexibilität von Wagner. «

  • C Renninghoff

    Wo liegt denn der Unterschied zwischen Kaiten und K-9? Auf den Screenshots sehen beide nahezu identisch aus und K9 ist Open Source.

    Über den Patentstreit hingegen freue ich mich regelrecht. Je mehr derartiger Vorgänge es gibt, desto realistischer halte ich es, dass sich die Zahl derjenigen vergößert, die sich aktiv für eine Änderung des globalen Patent- und Rechtesystems einsetzen – Software- und Trivial-Patente eingeschlossen.
    Samsung schägt mit seinen Gegenklagen tw. auch in diese Kerbe wenn man sich die Klage um die “Darstellung von Smilies” zu Gemüte führt ;)

    • http://www.mherbst.de Martin Herbst

      Hallo Christian,

      es kann sein, dass K-9 mittlerweile nachgebessert hat, aber vor ein paar Monaten war es überhaupt nicht an Tablets angepasst. Die Anzeige war einfach nur breiter.
      Bei Kaiten ist die Anzeige der Mails so wie bei dem eingebauten Mailprogramm, d.h. links die Liste der Mails und rechts daneben die jeweils ausgewählt.
      Evtl. hat K-9 da aber auch mittlerweile nachgebessert. Ich war auch nur zu Kaiten gewechselt, weil die Bedienung K-9 auf dem Tablet einfach suboptimal war. Seit Honeycomb 3.2.0 funktioniert IMAP aber auch mit der eingebauten Mail-App besser, so dass auch diese reichen würde.

      Was die Patentgeschichten angeht hoffe ich auch auf eine Besserung. In Deutschland geht es ja noch (abgesehen von diesem eingetragenen Geschmacksmuster für das iPad) und ich denke gerade in den USA setzt langsam ein Umdenken ein. Softwarepatente oder Patente für die Bedienung von Geräten (“Multitouch” etc.) sind in meinen Augen sowieso der absolute Blödsinn. Wo liegt da die “Schöpfungshöhe”?

      Einen schönen Abend noch.
      Martin

      • http://www.m13shots.de/ M13shots

        Hallo Martin,

        du schreibst:
        “Seit Honeycomb 3.2.0 funktioniert IMAP aber auch mit der eingebauten Mail-App besser, so dass auch diese reichen würde.”

        Das kann ich nicht bestätigen. Nach einem Firmwareupdate meines Galaxy Tabs 10.1 vor wenigen Tagen beobachte ich das Gegenteil (und lese es auch immer wieder in Foren). Die Standard Email-App unter Honeycomb 3.2 macht es mir schlicht unmöglich, via IMAP meine Mails aufs Tab zu bekommen. Die Ordnerstruktur wird geladen aber 0 (in Worten NULL) Mails. Senden funktioniert dagegen reibungslos.

        Weißt du etwas, was ich nicht weiß? Gibt es ein noch neueres Firmwareupdate, das das IMAP wieder ans Laufen bringt?

        Viele Grüße

        Mirko

        • http://www.mherbst.de Martin Herbst

          Hallo Mirko,

          ich habe ein Acer, da ist eine andere Firmware drauf. Schon mal versucht das Konto neu anzulegen, vielleicht sind irgendwie die gespeicherten Kontoinformationen nicht mehr in Ordnung.
          Ansonsten könntest Du alternativ mal K-9 ausprobieren (ist die kostenlose Variante von Kaiten).

          Martin

  • Pingback: Geohot