Erster Eindruck von Windows 8

Windows 8 Metro Oberfläche

Windows 8 Metro Oberfläche

In der vergangenen Woche hat Microsoft anlässlich der Build-Konferenz eine Developer Preview  von Windows 8 zum allgemeinen Download freigegeben. Ich musste es mir natürlich auch gleich besorgen und habe mir die 64 Bit-Version inkl. Visual Studio 2011 Express heruntergeladen (ca. 4,8 GB). Laut Microsoft soll es schon mehr als 500.000 Downloads gegeben haben.

Der nächste Punkt war dann die Installation in einer virtuellen Maschine. VMWare Player und Microsoft Virtual PC funktionieren wohl nicht, aber Oracles VirtualBox lässt sich so konfigurieren, dass sich Windows 8 installieren und ausführen lässt. Eine ausführliche Anleitung gibt es bei How-To-Geek. Zwar in Englisch, aber durch die vielen Hardcopies sehr gut verständlich.

Die Installation läuft zunächst genauso ab wie man es schon von Windows 7 gewohnt war. Die letzten Schritte werden dann in der neuen Metro-Optik, ausgeführt. Auffällig ist die Geschwindigkeit der Installation. Sie hat bei mir keine 20 min. gedauert, also noch schneller als Windows 7. Auch der Start von Windows 8 ist deutlich schneller als bei der Vorgängerversion. Es dauert nur ein paar Sekunden bis der Login-Bildschirm erscheint.

Windows 8 Desktop

Windows 8 Desktop

Nach dem Start befindet man sich dann automatisch in der Metro-Oberfläche mit diversen Apps (Wetter, Twitter, Internet Explorer, …). Der  (fast) gewohnte Desktop wird ebenfalls über eine Metro App gestartet. Allerdings vermisst man dort ziemlich schnell das altbekannte Startmenü. Mit dem “Windows”-Icon unten links wechselt man nur zurück zur Metro-Oberfläche. Immerhin funktionieren die bekannten Shortcuts weiterhin.

Die Metro-Oberfläche, die mir optisch sehr gut gefällt, ist meines Erachtens für einen “normalen” PC ohne Touchscreen nicht wirklich gut geeignet. Sie lässt sich zwar mit Maus und Tastatur bedienen, aber man merkt einfach, dass sie für Touch-Bedienung entworfen wurde. Ein zweiter Nachteil der Metro-Apps ist, dass sie generell im Fullscreen-Modus laufen. Auf einem Smartphone bzw. einem Tablet ist das OK, aber am PC mit 24″-Bildschirm ist das suboptimal.

Windows 8 Explorer mit Ribbon-Leiste

Windows 8 Explorer mit Ribbon-Leiste

Mein erster Eindruck von Windows 8 ist durchaus gemischt. Bereits bei dieser frühen Version ist auffällig, dass es sehr schnell startet und dass Microsoft auch unter der Haube einige Verbesserungen vorgenommen hat. Auch Funktionen wie das Zurücksetzen der Installation, über die schon anderweitig geschrieben wurde, sind sicherlich eine gute Sache. Die Ribbon-Leiste im Explorer ist für manche vielleicht erst mal gewöhnungsbedürftig, aber ich finde sie gar nicht so schlecht.

Das standardmäßig  fehlende Startmenü ist da für mich schon eher ein Problem. Ich arbeite mit relativ vielen Anwendungen und alle als Icons auf die Metro-Oberfläche zu legen käme nicht in Frage. Auf Caschys Blog gibt es einen Link zu einem Tool, dass das Startmenü wieder herstellt.

Windows 8 Taskmanager

Windows 8 Taskmanager

Als Techniker gefällt mir auch der neue Taskmanager. Er zeigt endlich deutlich mehr Informationen zu den einzelnen Anwendungen an und erinnert dabei schon stark an den Process Explorer aus dem Sysinternals-Paket. Die Entwickler dieser Tools arbeiten ja seit ein paar Jahren für Microsoft.

Die Trennung zwischen den beiden Oberflächen ist auch nicht optimal. Ich würde auf die altbekannten Windows-Gadgets gerne verzichten und stattdessen auch Metro-Apps auf dem Standard-Desktop ablegen können. Gleiches gilt für den Internet Explorer. Warum muss es zwei verschiedene Varianten geben? Die Metro-Version läuft Full-Screen und unterstützt keine Plugins wie Flash oder Silverlight (zu Java habe ich bisher noch nichts gelesen). Wenn man diese Plugins benötigt, muss man den “normalen” Internet Explorer starten.

Auch für Entwickler wird es m.E. nicht einfacher. Schreibt man neue Anwendungen für die bekannte Oberfläche oder für die Metro-Oberfläche? Denn nur Metro-Anwendungen können auch auf nicht-Intel-Prozessoren ausgeführt werden. Immerhin können alle gängigen Microsoft-Programmiersprachen (C++, C#, VB.NET, Javascript) zur Programmierung verwendet werden.

Nicht wirklich glücklich bin ich als Programmierer mit der Wiederbelebung von COM (siehe Artikel bei Heise.de. Nach der Einführung von .NET war ich eigentlich davon ausgegangen, das COM in zukünftigen Windows-Versionen komplett verschwinden würde. Stattdessen wird es jetzt wiederbelebt.

Fazit: Windows 8 enthält unter der Haube einige Verbesserungen. Über die neue Optik (u.a. Ribbons im Explorer) und die Verwendung der Metro-Oberfläche auf PCs lässt sich sicherlich streiten. Aber wir sollten nicht vergessen, dass wir es noch mit einer sehr frühen Version zu tun haben, die erstaunlich stabil und performant ist. Bis zum Final Release wird es sicherlich noch Veränderungen geben.

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