Meine Alternativen zu WhatsApp

WhatsApp und ich haben schon länger eine “On-Off”-Beziehung. Ich habe eine Zeit gebraucht bis ich mir überhaupt einen Account zugelegt hatte und nach der Übernahme von WhatsApp durch Facebook vor zwei Jahren, habe ich meinen Account auch erst einmal gekündigt und bin zu Threema gewechselt. “Aus Einsamkeit” bin ich dann nach ein paar Monaten aber doch wieder zurückgekehrt.

Aber nach den Entwicklungen der letzten Wochen habe ich beschlossen, mich wirklich von WhatsApp (und auch von Facebook) zu verabschieden. Ich will die ganze Geschichte jetzt hier nicht wiederholen und stattdessen auf die Artikel auf heise.de und Netzpolitik.org verweisen.

Aktuell befolgt WhatsApp zwar wohl die Anordnung der Hamburger Datenschutzbeauftragten und gibt noch keine Kontaktdaten der deutschen Anwender weiter. Allerdings hat Facebook angekündigt, die Entscheidung anzufechten.

Update 13.11.2016: Aktuell hat WhatsApp die Datenweitergabe erst einmal ausgesetzt (siehe Artikel auf golem.de). Aber natürlich haben sie jetzt schon einige Daten gesammelt, und ob die auch wieder gelöscht werden ist ein anderes Thema. Am Vorgehen von Facebook haben mich insbesondere zwei Dinge extrem gestört:

Man kann nur widersprechen, das die weitergegebenen Daten zur Personalisierung von Werbung verwendet werden. Der Übermittlung der Telefonnummern aus den eigenen Kontakten kann nicht widersprochen werden. Wenn man dies verhindern will, muss man der WhatsApp-App den Zugriff auf die Kontakte entziehen, was die App im Prinzip unbrauchbar macht.

Abgesehen von der Datenweitergabe an sich hat mich auch extrem gestört wie die Zustimmung eingeholt wurde. Auf der Mitteilung, die in WhatsApp eingeblendet wurde, war die Zustimmung bereits erteilt und man musste explizit den Haken entfernen. Danach verschwand dann die Seite auch wieder. Ich denke, viele werden sich den Text auch gar nicht vollständig durchgelesen haben und haben damit implizit der neuen Regelung zugestimmt. Sauberer wäre eine echte Opt-In-Variante gewesen, d.h. man hätte explizit zustimmen müssen.

Die Weitergabe der Telefonnummern ist insbesondere dann kritisch zu sehen wenn das Adressbuch neben privaten auch geschäftliche Kontakte enthält. Zu dem Thema möchte ich auf den Artikel “Datenschutz trotz Handy” in der Zeitschrift c’t Ausgabe 21 / 2016 S. 117ff verweisen. Da aber auch andere Apps Zugriff auf die Kontakte haben möchten und dann Daten teilweise auf Servern außerhalb der EU speichern, ist die Vermischung von privaten und geschäftlichen Kontaktdaten auch unabhängig von der WhatsApp-Nutzung generell problematisch.

Ich werde daher in Kürze meinen WhatsApp-Account kündigen. Das heißt natürlich nicht, dass ich nicht weiterhin per Messenger erreichbar bin. Ich bin sogar gleich über mehrere erreichbar :-). Für die Kontaktaufnahme reicht i.d.R. meine Mobilfunknummer. Neben den folgenden Messengern bin ich auch noch per Skype erreichbar, starte das aber relativ selten.

Threema

Jetzt bei Google PlayThreema ist mein derzeit bevorzugter Messenger. Alle Nachrichten werden mit “Ende-zu-Ende”-Verschlüsselung übertragen. Die Server, auf denen Threema läuft, befinden sich in der Schweiz.

Das Hinzufügen von Kontakten kann sowohl über die Mobiltelefonnummer als auch über die von Threema vergebene ID geschehen (meine ID findet Ihr im Impressum). Daher ist der Zugriff auf die gespeicherten Kontakte auch optional. Über ein zusätzliches Plugin kann Threema mittlerweile auch Sprachnachrichten übertragen.

Einen Nachteil hat Threema allerdings: es kann immer nur auf einem Gerät genutzt werden und das muss ein Mobiltelefon sein. Installiert man Threema auf einem neuen Gerät bekommt man automatisch eine neue ID. Daher ist es wichtig, die ID zu sichern um sie bei Installation auf einem neuen Gerät wieder verwenden zu können.

Auch das Anlegen von Gruppen ist ähnlich wie bei WhatsApp möglich.

Die Android-Version ist nicht kostenlos (aktuell 2,99 €), aber dafür wird man auch von Werbung verschont. Den Betrag ist die App aber auch wert.

Weitere Informationen gibt es auch in der Wikipedia.

Telegram Messenger

Jetzt bei Google PlayDer Telegram-Messenger ist derzeit meine zweite Wahl. Der große Vorteil von Telegram ist, dass es nicht nur auf dem Smartphone läuft. Neben Tablet-Apps für Android und iOS gibt es auch Desktop Apps und einen Webclient (alle Downloads unter https://telegram.org/apps). Man kann sogar von der Kommandozeile aus Nachrichten verschicken.

Für die Einrichtung des Telegram-Accounts wird eine Mobilfunknummer benötigt, da die Verifikation über eine SMS erfolgt. Die Freischaltung weiterer Clients geschieht dann direkt über Nachrichten in Telegram. Um einen neuen Kontakt hinzuzufügen benötigt man allerdings dessen Telefonnummer.

Telegram bietet ebenfalls verschlüsselte Chats und auch der Versand von Sprachnachrichten und Videos ist möglich. Auch Gruppen können angelegt werden. Telegram ist kostenlos und die App verzichtet auf Werbung.

Eine Besonderheit von Telegram sind “Bots”, die man auch selber anlegen kann. Ich verwende z.B. einen eigenen Bot, um bei Problemen Nachrichten von meinem Webserver zu bekommen.

Während die Quellcodes aller offiziellen Clients Open Source sind und der GPL unterliegen, ist die Server-Software proprietär. Weitere ausführliche Informationen gibt es in diesem Wikipedia-Artikel.

Google Apps

Auf den ersten Blick scheint es inkonsequent Facebook durch Google zu ersetzen. Also quasi die eine “Datenkrake” durch eine andere. Natürlich ist mir bewusst, das sich auch Google über meine Daten “freut”. Aber das nehme ich bei Google bewusst in Kauf. Ein paar Gründe, warum ich das eher bei Google als bei Facebook mache:

  • Ich habe (gefühlt) bei Google eine deutlich bessere Übersicht und Kontrolle über die von mir gespeicherten Daten als dies bei Facebook der Fall ist.
  • Bisher war die Informationspolitik von Google bei Ausweitung der Datenspeicherung deutlich besser.
  • Als Android-Anwender kann ich die Speicherung bestimmter Daten nur mit Komforteinbußen verhindern, was ich gar nicht möchte.
  • Ich bekomme bei Google auch Gegenleistungen für meine Daten. Wenn ich z.B. per Flugzeug unterwegs bin, lasse ich Check-In-Bestätigungsmails an mein Gmail-Konto schicken, damit ich in Google Now immer die aktuellen Informationen zu meinem Flug habe. Auch die aktuellen Stauinformationen auf Google Maps haben mir schon häufig geholfen.
  • Dass mir personalisierte Werbung angezeigt wird, ist mir ziemlich egal. Gegen solche Anzeigen bin ich immun. Bei Werbung auf privaten Blogs klicke ich aber schon einmal eine Anzeige an, nur um dem Blogbetreiber zu einer Einnahme zu verhelfen (ansonsten setzte ich aber auch einen Adblocker ein).

Von Google gibt es aktuell gleich mehrere Messenger-Varianten. Ob und inwiefern es da in Zukunft eine Bereinigung geben wird und z.B. Hangouts eingestellt wird, wird sich zeigen.

Google Hangouts

Jetzt bei Google PlayHangouts ist die älteste der Google Messenger-Lösungen und ist auch mehr als nur ein “einfacher” Messenger. So unterstützt Hangouts neben den üblichen Instant Messenger-Funktionen auch Videokonferenzen.

Hangouts läuft sowohl auf Smartphones als auch auf Tablets und im Browser.

In der Presse wurde Hangouts häufig als WhatsApp-Konkurrent präsentiert. Ich würde es eher als Konkurrent zu Microsofts Skype sehen.

Eine Funktionsübersicht gibt es auch in einem Wikipedia-Artikel.

Google Duo

Jetzt bei Google PlayMit Duo und Allo hat Google vor kurzem zwei neue Apps für Android und iOS veröffentlich. Beide enthalten jeweils nur eine Funktion.

Duo ist eine einfache Videochat-Anwendung, die im Gegensatz zu Hangouts nur 1:1 Chats unterstützt. Duo funktioniert derzeit nur auf Smartphones.

Google Allo

Jetzt bei Google PlayAllo ist Googles neue Messenger-Anwendung. Das Besondere an Allo ist die Integration des neuen Google Assistant. In der neuesten Version versteht der Assistant mittlerweile auch Deutsch und funktioniert auch schon ziemlich gut.

Allo läuft aktuell nur auf Smartphones und benötigt zur Kontaktaufnahme die Mobiltelefonnummer des Gesprächspartners.

Mit der Funktion “Inkognito Chat” unterstützt Allo auch Chats mit Ende-zu-Ende Verschlüsselung.

Android, Gmail, Google Play und das Google Play-Logo sind Marken von Google Inc.

comments powered by Disqus